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Page 24 · DO #4428 · 116_Van%20Schaack_Bx1FF3_r
- Collection
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George B. Van Schaack (1903–1983) papers
- Item/Folder
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Sketches and Monogram, Index - essay, and other materials, undated
- Digital Object
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DO #4428,
page 24
- Collection-level dates
- 1918–1981
Page transcription
ZWEIHUNDERT JAHRE NATURSELBSTDRUCK
VON ERNST FISCHER
Viele unserer Leser werden dieses, schon zu Gutenbergs Zeit vereinzelt probierte Illustrationsverfahren kaum dem Namen nach kennen. Seine Bedeutung ist aber nicht gering einzuschätzen, zumal die Möglichkeiten der Ausnutzung noch lange nicht erschöpft sind. Der erste, der diese Erfindung geschäftlich ausbeutete und ein mit Naturselbstdrucken ausgestattetes Pflanzenwerk herausgab, war der Arzt Johannes Hieronymus Kniphof zu Erfurt.) Schon seit dem Jahre 1728 hatte er sich dort für seinen eigenen Bedarf in der Buchdruckerei von Johann Michael Funcke, die er selbst die erste botanische Druckerei in Deutschland nennt, Pflanzen abdrucken lassen, bis er 1733 mit seiner "Botanica in originali das ist Lebendig Kräuter-Buch" an die Öffentlichkeit trat. Kniphofs Unternehmen war dazu berufen, lange Zeit Anregungen zu Nachahmungen und Verbesserungen zu geben.
Vorschriften, solche Abdücks anzufertigen, waren zwar schon bekannt, es hatten sich schon verschiedene auf gleichem Gebiet versucht und Blätter und kleinere Pflanzen auf diese Weise dargestellt, ein Geschäft war aber noch nicht daraus gemacht worden.2) Aus Kniphofs Andeutungen - seine Geheimnisse gab er natürlich nicht preis - und den Beobachtungen an den Drucken selbst haben wir uns seine Arbeitsweise etwa wie folgt vorzustellen:
Kniphof ordnete die Pflanzen so, dass sie ein natürliches, ungekünsteltes Aussehen bekamen. Alles Charakteristische musste gut hervortreten, alle Kleinigkeiten, die dem Laien oft nicht wesentlich erscheinen, kamen zur Beachtung. Die Pflanzen wurden gepresst und getrocknet, also wie zum Einlegen in ein Herbarium vorbereitet.3) Nun nahm man ein glatt gehobeltes Brett, bedeckte es mit einer flachen Auflage von Stoff oder Leder, die mit Druckerschwärze (feinstem Lampenruss und Leinöl) getränkt war und legte die Pflanze behutsam darauf. Das Ganze wurde mit Makulatur bedeckt, in die Presse gebracht und unter leichtem Druck gesetzt. Nach Wegnahme der Makulatur hob man die eingefärbte Pflanze ab und übertrug sie mit Hilfe der Pinzette auf einen bereitgelegten Papierbogen. Jetzt wurden etwas entstandene Farbflächen mit Papier abgedeckt, der mit Unterschrift bedruckt, etwas angefeuchtet Bogen aufgelegt und das Ganze gepresst. Wenn starke Wurzeln oder holzige Stengel mit zum Abdruck kommen sollten, wurde der Bogen an der betreffenden Stelle stärker angefeuchtet und der Druck musste dann langsamer und allmählich erfolgen, sonst wäre
1) Seine Biographie bei Rich. Loth, Die Dozenten der medizinischen Fakultät der Universität Erfurt von 1646-1816. Über Funcke bei Karl Hermann, Nachrichten über Erfurter Buchdrucker, Handschrift zirka 1850. Ein Porträt Kniphofs in "Thür. Vaterländskunde", 30. Stück vom 25. Juli 1804 (alles Erfurt, Stadtbücherei).
2) Schon Leonardo da Vinci gibt eine Vorschrift zusammen mit dem Abdruck eines Salbeiblattes (abgebildet in Feldhaus, Leonardo der Techniker und Erfinder, Jena 1913). Weiteres bei Martius (Nr.14).
3) Einer interessanten Kontroverse zwischen Kniphof und Professor Franz Ernst Brückmann in Wolfenbüttel (abgedruckt bei Martius) können wir manches entnehmen. Ersterer will den Naturdruck von einem auländischen Botaniker erlernt haben, Brückmann beruft sich auf den Engländer D. Sherard. Beide Quellen scheinen auf Paolo Boccone (†1729 Oxford) zurückzugehen. Aber schon Kniphof sagt, daß die Erfindung seiner Meinung nach deutschen, nicht auländischen Ursprungs ist. Dies wird durch einen, erst in letzter Zeit aufgetauchten, in der Salzburger Studienbibliothek befindlichen Kodex aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts bestätigt, der mit Blattabdrücken illustriert und zweifellos deutschen Ursprungs ist. Früher können größere Versuche gar nicht gut angestellt worden sein, denn nur Anwendung geeigneten Papiers versprach Erfolg. Das bekanntlich erst um die Mitte des 14. Jahrhunderts sich bei uns einbürgernnde Papier war dick und für Schreibzwecke glättet, für Naturdrucke also ungeeignet.