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Page 17 · DO #1524 · 212_Haas_Bx1FF3_r
- Collection
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Theodore Philipp Haas (1892–1977) papers
- Item/Folder
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Typescript or Holograph Articles/Lectures, n.d.
- Digital Object
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DO #1524,
page 17
- Collection-level dates
- 1906–1986
Page transcription
Angewandte Botanik (Nutzpflanzen)
Wir hätten die Abteilung auch "Pflanze und Mensch" heissen können, dem die Produkte des Pflanzenreichs sind für den Menschen nicht minder wichtig wie die des Tierreichs. Nahrung- und Genussmittel, Oele, fette, Riechstoffe, Gummi, Harze, Gerb- und Farbstoffe, Faserstoffe, Arzneimittel u.s.w. liefern die Pflanzen dem Menschen. Ja sogar Bausteine, die er zum Bauen seiner Häuser verwendet, sind von Pflanzen geschaffen.
Die Produkte des Pflanzenreichs haben aber auch eine ungeschworene kulturgeschichtliche Bedeutung, auf die einleitend hingewiesen sein soll. Der Mensch hat stets mit ihnen Handel - zunächst Tauschhandel - getrieben und er hat die ihm wertvollen Pflanzen, die "Nutz"-Pflanzen verbreitet, sei es auf den Handelswegen, sei es durch gewollten Anbau, fern der ursprünglichen Heimat. Dafür einige Beispiele. Schon im Altertum kam auf bestimmten Wegen, auf den "Seidenstrassen", die von der Seidenraupe gesponnene Seide aus "Sericum", dem Seidenlande China zu den Römern (Saricium ist identisch mit Sinlicum; dieser ist der Name für China, der auf dem Seeweg nach Rom gelangt ist). Diese Seidenstrassen gingen durch Zentralasien über Persien nach Byzanz oder Syrien. Ihnen folgte im Laufe der Zeit der Maulbeerbaum, dessen Blätter den Seidenraupen zur Nahrung dienen. Um 120 v. Chr. bringt der chinesische General Tschang Ch'ien, der ursprünglich für China Bundesgenossen gegen die Hunnen suchen sollte (Die Hunnen haben sich zuerst gegen die Chinesen gewandt, siehe Europa beunruhigten), Örächte die Wainuss, den Flachs, die Weintraube, mit dem Pferde die Luzerne und - Nachrichten, die bis nach Syrien reichen - ins Reich der Mitte. Die Banane ist mit dem Sklavenhandel von ihrer Heimat Indien bis nach Westafrika gekommen und von hier ist sie durch Spanier und Portugiesen nach der Neuen Welt gelangt. Der amerikanische Mais, in Amerika vor der Entdeckung Kolumbus', das wichtigste Getreide, ist durch die Portugiesen zu den eingeborenen Völkern Afrikas gebracht worden. Der aus Abessinien stammende Kaffee hat ebenfalls große Wanderungen gemacht. Es gäbe noch viele solche Beispiele. Die indische Baumwolle ist um ca 600 v. Chr. von dem assyrischen König Senaherib in Assyrien angebaut worden, das erste Beispiel für planmäßige Kultur einer fremden Nutzpflanze. Die Araber haben das aus Indien stammende Zuckerrohr und den gleichfalls in Indien heimischen Reis in den von ihnen bewohnten Gebieten kultiviert. Der Reisbau in Spanien und von hier aus in Italien geht auf diese Zeit zurück.
Aber noch eine andere Bedeutung haben die pflanzlichen Produkte gehabt. Der Handel mit ihnen hat die Leute reich und selbst bewusst gemacht. In den grossen Handelszentren kommt dies in Profan- und Sakralbauten zum Ausdruck. Wir sehen das nicht nur in den grossen, fernsten - heute würde man sagen "internationalen" Handelszentren des Altertums und Mittelalters wie Petra (Rekem) in Arabien, wo man riesige Kultstätten aus dem Feisen herausmeisselte und wo sich der Handel von Ostasien, Indien, Arabien mit dem des Abendlandes traf, oder Byzanz oder Venedig. Wir haben auch Beispiele in unserer engeren Heimat. Die stolzen Rathäuser von Augsburg und Nürnberg, die grossen Stadtkirchen in München, Ulm, Landshut Regensburg u.s.w. sind vom Bürgertum gebaut worden. Ja, in Landshut wollten die