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Page 61 · DO #1526 · 212_Haas_Bx1FF5_r
- Collection
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Theodore Philipp Haas (1892–1977) papers
- Item/Folder
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Correspondence A-K , 1940–1977
- Digital Object
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DO #1526,
page 61
- Collection-level dates
- 1906–1986
Page transcription
Dr.Theodor Philipp Haas.
712 - 14 Spruce Street, Philadelphia, Pa.
Den 24.Mai 1943.
Sehr geehrter Herr Professor Iltisi!
Ich habe Ihren ausgezeichneten Artikel in "Scientific Monthly" vor mir und da fällt mir wieder ein, was mein College vom Haverforder Cooperative Workshop, Dr. Luftpold Stern, von Ihnen erschüttert hat. Ich möchte aber auch gerne die Gelegenheit benutzen, mit Ihnen ein wenig ab College zu plaudern. Ich bin ja in meiner Studien-Lauffahm mit 3 bedeutenden Genetikern zusammen gekommen:Fritz v.Wettstein(und seinen Schülern), mehrere Jahre Direktor des Botanischen Gartens in München und dann habe ich auch noch Remmer-Jena in München gekannt. Einmal habe ich auch Tachenzack in München sprechen hören. Wenn ich auch als der letzte Schüler Goebels Morphologe bin, so bin ich an der Genetik doch wenigstens ein wenig "angestreift"! Wie lange sind Sie schon in U.S.? Auf jeden Fall sind Sie viel länger im Lande wie ich. Habe ich doch in Juli 1940 zum letzten Male den Botanischen Garten in München-Nymphenburg besucht. In "Parks and Recreation" habe ich jetzt einen langen Artikel über die Münchener Anlagen veröffentlicht. (Der 2. Teil wird im Juni wohl erscheinen). Mein eigentliches Wirkenfeld war das "Botanische Museum", das war eine große Schausammlung (hier sagt man Museum-Exhibition), die ich ganz allein auszustellen hatte. Trotzdem ich Jude bin, habe ich das noch unter dem Hitler-Regime durchführen können und in- und ausländische Besucher waren von "meinem" Museum begeistert. Ich war bis 15.Februar 1937 offiziell im Amt, dann bin ich aber mit Glanz hinausgeflogen. Das Ministerium hat meine Arbeits-Erlaubnis zurück gezogen und ich habe das Institut nicht mehr betreten dürfen. Nur den Garten und die Gewächshäuser standen mir bis ich weg zur Verfügung und auch photographieren konnte ich noch nach Belieben. Ich habe mehr als 600 Bilder von Pflanzen mitgebracht! Ich möchte Ihnen mit diesem Briefe meinen "Lebenslauf" senden. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, falls Sie die Liebeswürdigkeit hätten, mir zu sagen, ob ich's Ihrer Meinung nach recht mache. Das, was ich eigentlich tun möchte, d.h., ein botanisches Museum, eine botanische Schausammlung, aufbauen das geht in Kriegszeiten nicht. Ich habe einen langen Artikel darüber geschrieben, habe ihn aber nicht veröffentlichen können. Ich bin hier am Philadelphia College for Pharmacy and Science tätig. Ich habe im letzten Sommer und auch in diesem Sommer wieder in den kleinen botanischen Garten des Instituts mit Gartenarbeit mitgeholfen, wenn es auch nur leichte Arbeit ist, so strengt mich die Geschichte doch recht an. Im Winter und auch bei ungünstigem Wetter arbeite ich an den Herbarien des Instituts und einmal demonstriere ich den Studenten interessante Pflanzen, d.h. ich zeige ihnen im Präparier-Mikroskop oder im Normal-Mikroskop, was der Morphologe zu sagen hat. Die Studenten sind immer recht begeistert davon. Außerdem leite ich kleine Fieldtrips. Das ist alles recht nett, aber die Schule kann mir sehr wenig bezahlen und ich komme nur durch, indem ich noch in einem Klub Nachtdienst übernommen habe. Ich bin mit Leib und Seele Wissenschaftler. Wüssten Sie eine andere Tätigkeit für mich? Ich bin sehr gerne in Phila., aber ich würde auch wo anders hingehen. Ich bin verschiedentlich auch als "Naturalist" für Parks vorgeschlagen worden, aber in Kriegszeiten stellen solche Parks niemanden an. Wie schaut es an Ihrem Institut aus? Bitte, nehmen Sie mir diese unbescheidene Frage nicht übel!
Ich möchte nun noch mit ein paar Worten auf Ihren Artikel zu sprechen kommen. Die Russen haben auf dem Gebiet der Vererbung hervorragendes geleistet. Da habe ich u.a. in New York gelesen, dass die Russen einen Bastard herausgebracht haben zwischen Oel- und Faser-Flachs (Springlein und Schliesslein), der größer sein soll wie die Eltern Pflanzen. Ob stimmt, weiss ich nicht. Ich habe in Moskau einen Queeko-Weizen-Bastard gesehen und in München noch den Roggen-Weizen-Bastard. Hier handelt es sich aber um Gattungs-Bastarde und da stimmen ja die Mendel-Gesetze nicht mehr. Ich studiere gerade das interessante Werk "Terrae incognitae" von Richard Hemig und da finde ich,