← Back to results
Page 24 · DO #1527 · 212_Haas_Bx1FF6_r
- Collection
-
Theodore Philipp Haas (1892–1977) papers
- Item/Folder
-
Correspondence L–Z, 1941–1959, n.d.
- Digital Object
-
DO #1527,
page 24
- Collection-level dates
- 1906–1986
Page transcription
Dr.Theodor Philipp Haas
712 - 14 Spruce Street, Philadelphia
Den 7.Oktober 1944.
Mr.Pappenheimer,
c/o Mr.Siegfried Pape,
153 Beale Ave.,
Memphis-Tennessee.
Sehr geehrter Herr Pappenheimer!
In meinen Reisetagebuch habe ich Ihre Adresse und ich hoffe,
dass sie noch richtig ist.
Ich fühle mich Ihnen gegenüber als ein schwerer Sünder, weil
ich bis jetzt noch nicht die § 5,-, die Sie mir in Harbin
auf unserer Reise so edelmütig geliehen haben, zurück bezahlt
habe.Das will ich aber jetzt tun und so hoffe ich bestimmt,
dass Sie einen Freudigen Sünder vorzählen werden!Bitte, sagen Sie
mir ungehindert, wohin und wie ich das Geld schicken kann; ich bin
ein wenig schwierig mit solchen Dingen.
Jetzt möchte ich wissen, wie es Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin geht.
Haben Sie von den armen Schottländern noch etwas gehört? Sind
sie noch nach den U.S. heraus gekommen und sind sie der Hölle
von Shang-Hai entkommen?Ich habe oft an sie gedacht.
Ich bin nun auch schon 4 Jahre im Lande.Die ersten 4 Monate
waren schrecklich.Ich habe meine Verwundten nicht gekannt und
sie mich nicht.Sie konnten einen Wissenschaftler mit ganz anderen
Interessen nicht verstehen,und nach 4 Monaten,während denen ich
die Existenz-Frage nicht lösen konnte, sind sie ausserordentlich
feindselig zu mir geworden.Der Refugee-Service und durch diesen
das American Friends Service Committee haben sich dann meiner
angenommen und heute habe ich eine Stellung am Philadelphia
College of Pharmacy and Science,den Ältesten seiner Art in den U.S.
als Botaniker.Mit meinen Verwandten bin ich vollständig entsweilt
und ich will gar nichts mehr mit ihnen zu tun haben.
Ich bin sehr gerne in Phila.Ich habe verschiedene Artikel bereits
veröffentlicht und auch schon Vorträge in englischer Sprache ge-
halten.Es ist mir gegönnt,meine Negative aus München mitzubringen.
Davon habe ich mir Lichtbilder machen lassen - Pflanzenbilder vom
Münchener Botanischen Garten und auch Bilder von Süd-Bayern - und
darüber spreche ich.Ich habe die Erlaubnis zum Pflanzen-Photogra-
phieren und nachdem ich hier die gleiche Kamera habe wie in München,
kann ich auch hier meine Tätigkeit forsetzen.Ich bin in engem Kon-
takt mit den Wissenschaftlern hier.
So wäre alles recht, wenn ich etwas von meiner Mutter wüsste.Den
letzten Brief bekam ich von ihr am 15.Mai 1942 über Lausanne und
seit dieser Zeit habe ich nichts mehr erfahren können.
Bitte, schreiben Sie mir, wie es Ihnen geht und wie Sie mit dem
Englischen zurecht kommen.Ich will Ihnen dann ausführlicher schreiben.
Seien Sie mit Ihrer Familie herzlich gegrüßt von
Ihrem